Bokeh und der Bokeh-Effekt

Von Fabian Peters - Mi, 01.06.2016 - 14:40
Bokeh | WhiteWall

Der Begriff Bokeh beschreibt in der Fotografie einen bewusst gestalteten Unschärfebereich. Dieser Effekt wird eingesetzt, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf ein zentrales Objekt zu richten. Das Bokeh ist dabei stets objektivabhängig und nicht nur bei professionellen Fotografen ein beliebtes Stilmittel: Auch Hobbyfotografen nutzen die künstlerisch verschwimmenden Bildhintergründe. Die Unschärfe tritt dabei in verschiedensten Formen in Erscheinung und ist grundsätzlich von individueller Qualität. Der Begriff Bokeh prägt den Übergang der Unschärfe zur Tiefenschärfe. Typisch für viele Bokehs sind dabei die durch eine Lichtquelle im Hintergrund entstehenden charakteristischen Zerstreuungskreise, die ein sehr unterschiedliches Erscheinungsbild aufweisen können. Heutzutage simulieren Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop entsprechende Bokeh-Effekte sogar bei der Bildnachbearbeitung.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist ein Bokeh?

Der Begriff Bokeh ist vom japanischen Wort "boke" abgeleitet, was soviel wie verschwommen oder unscharf bedeutet. Dabei geht es um den Unschärfebereich, den das jeweilige Objektiv einer Kamera durch Projektion auf die Abbildungsebene hervorbringt. Bei dieser Definition wird bereits deutlich, dass das jeweiliges Objektiv bei der Entstehung eines Bokehs eine tragende Rolle spielt: So weist jedes Objektiv eine individuelle Qualität bei der Ausgestaltung der Unschärfe außerhalb der Tiefenschärfe und beim Übergang der Unschärfe zur Schärfe auf. Unscharfe Bereiche erzeugen in der Regel eine scheibenförmige Abbildung der Lichtquelle, die sich der Form der Blende, beziehungsweise der Eintrittspupille anpasst. Darüber hinaus prägen die Anzahl und Form der Lamellen in der Blende ein jedes Bokeh: Eine fast kreisrunde Blende sorgt beispielsweise für ein weiches und natürliches Bokeh. So entstehen die bekannten Zerstreuungskreise bei jedem Bokeh in unterschiedlichen Formen, Größen und Farben – insbesondere wenn eine Lichtquelle im Hintergrund des Motivs angesteuert und unscharf abgebildet wird. Ob ein bestimmtes Bokeh als ästhetisch empfunden wird, obliegt der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters. Manche Bokehs werden als hart, andere als weich wahrgenommen. Es gibt ruhige und unruhige Verläufe, Farbsäume und kreative Doppellinien – stets abhängig vom jeweiligen Objektiv. Das Bokeh ist somit wie ein Fingerabdruck, der das Objektiv kennzeichnet. Seine Ästhetik liegt im Auge des Betrachters. Ungeachtet dessen sind zu unruhige Bokehs mit einem gewissen Vorbehalt zu betrachten, da hier die Übergänge zur Tiefenschärfe oftmals nicht als besonders harmonisch empfunden werden. Ein unruhiger Hintergrund lenkt zudem vom Bildzentrum ab und wirkt bezüglich der Bildkomposition eher kontraproduktiv.

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© Koukichi Takahashi

Bokeh: Die Wahl unterschiedlicher Kameras und Objektive

Das Bokeh ist in erster Linie abhängig von der Bauart des verwendeten Objektivs. Selbst Experten sind sich jedoch nicht einig darüber, welche Objektiveigenschaften entscheidend für ein "gutes Bokeh" sind. Gemeinhin sorgen die meisten Festbrennweiten für interessant anmutende Bokehs, während die heutzutage weit verbreiteten Zoomobjektive an dieser Stelle häufig nicht überzeugen. Die kürzeren Teleobjektive gelten als wenig vielversprechend bezüglich eines ästhetischen Bokehs. Ausnahmen bilden einige Porträt-Teleobjektive. Fernobjektive hingegen, bei denen sich Baulänge und Brennweite fast entsprechen, sind beliebte Bokeh-Objektive. Sonnar-Objektive gelten als echte Bokeh-Klassiker. Ein Objektiv, das auf eine Optimierung der Tiefenschärfe setzt, führt nach Auffassung vieler Experten zu weniger gelungenen Bokehs. Wie das individuelle Bokeh des Objektivs aussieht, wird bei der größten Öffnung der Blende festgestellt. So sollte ein besonders lichtstarkes Objektiv mit einem überzeugenden Bokeh aufwarten können. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass bei einem lichtstarken Objektiv mit maximaler Öffnung der Blende, die Tiefenschärfe besonders gering ausgeprägt ist. Mittlere Teleobjektive, die in der Porträtfotografie eingesetzt werden, können ebenfalls ein angenehmes Bokeh ausbilden. Porträtfotografen neigen besonders zu Unschärfebereiche im Hintergrund, um die Person im Vordergrund zu betonen. Daher bieten verschiedene Hersteller spezielle Porträt-Objektive an, die bauartbedingt beispielsweise mit sogenannten Apodisationsfiltern ausgestattet sind. Diese ermöglichen besonders beeindruckende Bokehs und Übergänge zur Tiefenschärfe. Auch Spiegellinsen-Objektive erzeugen ein besonders interessantes Bokeh in From von ring- anstatt von kreisförmigen Effekten. Sogenannte Siebblenden ermöglichen in einem Weichzeichner-Objektiv ebenso pittoreske Bokeh-Effekte. Das Tilt-Shift Objektiv und spezielleTilt-Shift- Kameras arbeiten auf eigene Weise mit Bokeh-Effekten durch verschobene Bildebenen und Achsen. Dabei werden selektive Unschärfen in diesem Fall regelmäßig mit Bildverarbeitungsprogrammen innerhalb der Kamera kreiert und entstammen nicht aus der technischen Konstruktion des Objektivs. Mit Kompaktkameras lassen sich nur bedingt Bokeh-Effekte erzeugen, da sie regelmäßig keine sehr lichtstarken Objektive einsetzen und nur kurze Brennweiten haben. Bei Einstellung auf Tele, im Makrobereich und mit großer Blendenöffnung kommen jedoch auch diese kleinen Kameras an Bokeh heran.

Der Bokeh-Effekt: Kreative Tipps für die Fotopraxis

Vor der Beschäftigung mit Bokeh-Effekten sollte sich der Fotograf bewusst sein, dass die Tiefenschärfe durch drei wesentliche Faktoren beeinflusst wird:

  • Die Öffnung der Blende
  • Die Entfernung zum Objekt
  • Die eingesetzt Brennweite

Wer kreativ mit Bokehs umgehen möchte, muss den Zusammenhang zwischen dem Bokeh, der Öffnung der Blende und dem Abstand zum Objekt erfassen:

  • Die Tiefenschärfe ist umso geringer und die Unschärfe umso größer, je näher das Objekt ist.
  • Die Tiefenschärfe im Bild ist umso geringer und das Bokeh umso ausgeprägter, je weiter die Blende geöffnet ist.
  • Feste Brennweiten fördern die Ausprägung eines interessanten Bokehs. Geeignet ist zum Beispiel ein lichtstarkes Objektiv mit 85 mm.
  • Möchte man das Bokeh kreativ einsetzen, sollte man bevorzugt die Kameraeinstellung mit Blendenvorwahl A oder A/v wählen. Die Blendenöffnung sollte dabei maximal sein.
  • Die interessanten Zerstreuungskreise entstehen mit Lichtquellen im Bildhintergrund. Dies kann besonders bei Nachtaufnahmen zu fantastischen Bokehs führen.

Da das Bokeh besonders im Hinblick auf Lichtquellen die Form der Blende abbildet, lassen sich durch selbstgebaute Aufsätze – eine niedrige Blendenzahl vorausgesetzt – besonders ansehnliche Bokeh-Formen schaffen: Wer etwa aus festem Karton Sterne oder Herzen schneidet und den Karton mit Klebeband vorn auf das Objektiv klebt, so dass nur die ausgeschnittene Form das Licht durchlässt, bringt einzigartige Bokehs hervor.

Beispielmotive mit Bokeh-Effekt


© Martin Harvey



© Thomas Hauser



© Koukichi Takahashi



© Kai Ziehl



© Katsuaki Shoda


Bokeh
© Thomas Hauser

Bokeh-Effekt mit Photoshop

Bildverarbeitungsprogramme wie Photoshop simulieren Bokeh-Effekte, ohne dass diese durch eine Blende und den Einfluss auf die Tiefenschärfe beim Fotografieren selbst geschaffen worden wären. Fotopuristen lehnen dieses Bokehs häufig wegen mangelnder Tiefe ab. Dennoch bietet auch eine solche Nachbearbeitung des Fotos die Möglichkeit, interessante Bokehs zu erzeugen. Photoshop ermöglicht dies über den Einsatz bestimmter Bearbeitungs-Werkzeug: Anwendung finden hier verschiedene Pinsel, das Freistellungswerkzeug, der Gaußsche Weichzeichner und das Verlaufswerkzeug. Als Fotomaterial eignen sich beispielsweise Nachtaufnahmen, die verschiedene Lichtquellen im Hintergrund zeigen. Im Menü Filter > Weichzeichnungsfilter > Objektivunschärfe wird die Tiefen-Map auf Ohne eingestellt. Der Bearbeiter stellt die Wölbung der Irisblende auf 100 ein, um runde Bokeh-Muster zu erhalten. Mit Radius, Helligkeit und dem Schwellenwert kann experimentiert werden. Die Werte für das Rauschen können erhöht werden. Schließlich können über Filter > Weichzeichnungsfilter > Gaußscher Weichzeichner Weichzeichner-Effekte kombiniert werden. 40 Pixel haben sich dabei für ästhetische Bokehs bewährt. Mit dem Freistellungswerkzeug lassen sich bestimmte Bildabschnitte besonders hervorheben. Mit einem runden Pinsel können weitere Kreise in das Bild einfügt werden. Besonders kunstvolle Bokehs entstehen mit Photoshop, wenn die verschiedenen Bearbeitungsebenen übereinander kopiert werden. In einem letzten Bearbeitungsschritt werden Farbverläufe mit dem Verlaufswerkzeug in das Bokeh eingefügt, um Farbsäume zu simulieren, die manche Objektive beim Übergang von der Unschärfe zur Tiefenschärfe produzieren.