CERN: Zwischen Wissenschaft und Kunst | Im Interview: Michael Hoch

Von Claudia Haevernick - Do, 10.03.2016 - 16:04
CERN: Zwischen Wissenschaft und Kunst | Im Interview: Michael Hoch | WhiteWall

Physik und Fotografie als einheitliches Kunstprojekt: Der Wissenschaftler und Fotograf Michael Hoch zeigt, dass Physik nicht immer nur theoretisch sein muss. In seiner Ausstellung CMS — The Art of Science kombiniert er auf beeindruckende Art und Weise die vermeintlich nicht zu vereinbarenden Themengebiete der Wissenschaft und Kunst. Für seine limitierten Arbeiten hat er sich für einen zeitlosen Direktdruck auf Alu-Dibond von WhiteWall entschieden. Im Interview erzählt uns der gebürtige Wiener inwieweit Wissenschaft und Kunst vereinbar sind, was die Idee hinter dem Projekt art@CMS ist und verrät, wie seine Aufnahmen wahrgenommen werden.

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© Michael Hoch/ art@CMS

Hallo Michael, du hast Sport und Physik an der Universität in Wien studiert, sowie Technische Physik an der Technischen Universität und anschließend in Genf am Teilchenbeschleuniger CERN promoviert: Wie bist du obendrein zur Fotografie gekommen?   Ich habe mich während meines Studiums in Wien intensiv mit der Fotografie auseinandergesetzt. Der Mensch in Bewegung und als Teil der vom Menschen gebauten Infrastruktur: Das waren Themen, die mich schon immer fasziniert haben. Die Geometrie dieser Infrastruktur und die organischen Formen, die die Natur hervorbringt. Meine Faszination habe ich vor allem in der Gegenüberstellung zwischen der strikt technischen und der organischen Geometrie gefunden. Schon bevor ich zum CERN nach Genf gegangen bin, habe ich in Wien zwei Soloausstellungen mit meinen Fotoarbeiten inszeniert.  

Was ist die Idee hinter dem Projekt art@CMS und wie ist es dazu gekommen?   Ich arbeite seit 1998 als Physiker am CERN und habe seit 2007 am Aufbau und der Inbetriebnahme des CMS Experiments mitgearbeitet: Eine Kamera, die so groß wie ein vierstöckiges Haus ist und Teilchenspuren mit der Genauigkeit eines menschlichen Haares vermisst. Im Dienste der Wissenschaft ist sie nicht nur ein Wunderwerk der modernen Ingenieurskunst sondern durch ihre intrinsische Form und Farbgebung auch ein sehr ästhetisches Objekt. Als Künstler konnte ich dieser intensiven Inspiration nicht widerstehen: Auch weil ich als Physiker zu ansonsten unzugänglichen Positionen Zugang habe und so einzigartige Blickwinkel dieser Wundermaschine einfangen kann.

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© Michael Hoch/ art@CMS

Als ich angefangen habe meine Werke auszustellen, habe ich gemerkt, dass man über die künstlerische Darstellung komplexe, wissenschaftliche Fragestellungen fassbar machen kann. Und das weckt Neugier an den großen Fragen der Menschheit – auch in einer nicht unbedingt wissenschaftsaffinen Schicht der Gesellschaft. Da ich als Künstler nur meinen persönlichen Blickwinkel zeigen kann, habe ich als Wissenschaftler weitere Künstler eingeladen, um am CMS Experiment mitzuwirken. So ist das art@CMS entstanden. Ein Programm, das Künstler aus aller Welt mit Wissenschaftlern des CMS Experiments zusammen bringt, um an der künstlerischen Bearbeitung wissenschaftlicher Fragen zur Teilchenphysik mitzuwirken. Die so entstandenen Kunstwerke werden vom Künstler an uns entlehnt und wir vom CMS veranstalten weltweit Ausstellungen, Seminare und Diskussionen, um den Dialog zwischen Wissenschat und Kunst auch mit einem großen Publikum zu führen.

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© Michael Hoch/ art@CMS

Inwiefern sind Wissenschaft und Kunst vereinbar?   Sie sind perfekt vereinbar, da sie den gleichen Ursprung haben: Kunst war bis ins 18. Jahrhundert eine wissenschaftliche Disziplin. Beziehungsweise der Zugang vieler Künstler zu Dokumentationen und Studien war ein wissenschaftlicher. Mit Leonardo da Vinci fand in der Renaissance der Höhepunkt der Verschmelzung beider Disziplinen statt. Außerdem glaube ich, dass es sich um einen interdisziplinären Dialog handelt, der uns als kulturelles Wesen den nächsten Schritt machen lässt.  

Für deine aktuelle Ausstellung „CMS The Art of Science“, die vom 27. Februar bis zum 10. April in der Cité du Temps in Genf stattfindet, hast du sechs Motive bei WhiteWall als Direktdruck auf Alu Dibond veredeln lassen: Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?   In meiner derzeitigen Ausstellung sind alle limited Edition Series Werke von WhiteWall. Darunter einige echte Foto Abzüge auf Alu Dibond für meine digitalen Kollagen. Für meine neue Installation „CMS for Tate Modern“, den Prototypen einer lebensgroße Kunstinstallation des CMS, habe ich den Direktdruck auf Alu Dibond gewählt, um den metallischen Glanz wiederzugeben. Meine Aufnahmen vom CMS habe ich als echte Fotoabzüge hinter Acrylglas veredeln lassen. Mit den WhiteWall Produkten kann ich meinen Werken den Ausdruck verleihen den ich erzielen möchte. Und das in einer ausgezeichneten Qualität.  

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© Michael Hoch/ art@CMS

Du hast zuvor bereits im größeren Stil bei WhiteWall bestellt: Um welche Produkte handelt es sich und wo hängen diese? WhiteWall wurde mir von einem Galeristen empfohlen. Einige meiner Werke hängen dort, wo ich sie auf Ausstellungen präsentieren durfte – etwa in den USA, Deutschland, Italien, Belgien, Griechenland und Österreich. Bei meinen Bestellungen habe ich das Augenmerk vor allem auf Qualität gelegt und mich deshalb für WhiteWall entschieden. Meine Limited Edition Kollagen sind alle echte Foto Abzüge auf Alu-Dibond in der Größe 100 mal 100 Zentimeter oder 150 mal 150 Zentimeter. Die CMS-Fotos für meine Ausstellungen sind echte Foto Abzüge unter Acrylglas in der Größe 80cm x 80cm Die Skulptur „CMS 4 Tate Modern“ in der Cite du Temps ist der Prototyp einer 18m x 18m lebensgroße Fotokollage. Dabei wurden 100 mal 100 Zentimeter große Fotoausschnitte des CMS als Direktdruck auf Alu-Dibond auf digital angesteuerte Leuchtkästen montiert. Auf den Stirnseiten der Leuchtkästen sind Fingerabdrücke der subatomaren Prozesse abgebildet – also „Fotos“ des Higgs-Teilchens.

Du hast deine Motive bereits auf zahlreichen Ausstellungen präsentiert: Wie reagieren die Leute auf deine Aufnahmen und wie werden Sie wahrgenommen?   Meine Lieblingsserie ist die NaturalScience Serie, bei der der CMS als riesige Wissenschaftsapparatur mit winzigen Blüten als Symbol der Natur verschmilzt. Bei Ausstellungen bekomme ich immer wieder ähnliche Reaktionen, je nachdem welches Vorwissen das Publikum hat. Menschen die aus der Wissenschaft kommen erkennen das CMS Experiment und fragen: „Das ist CMS richtig? Aber was sind diese Farbflecken dazwischen?“ Andere die das CMS nicht kennen fragen: „Das sind Mohnblüten richtig? Aber was sind die Farbflecken dazwischen?“  

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© Michael Hoch/ art@CMS

 

Ausstellung in der Cité du Temps:





Wie gehst du bei deinen Aufnahmen vor und welches Equipment benutzt du?   Ich tauche in die Objekte ein und lasse mich von deren Form und Charakter leiten. Es ist insbesondere ein Beobachten von Details und Zusammenhängen. Mein Equipment ist vor allem eine Canon 5D mit verschiedenen Objektiven. Gelegentlich verwendete ich auch eine MAMIYA Mittelformatkamera.  

Was ist deiner Meinung nach ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?   Kreative Projekte, Professionalität, qualitativ hochwertige Produkte und die Leidenschaft für die Fotografie.

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Michael Hoch neben dem CMS (Compact Mono Solenoid) am CERN – 100 Meter unter der Erdoberfläche. 

Michael Hoch hat Sport und Physik an der Universität und Technische Physik an der Technischen Universität in Wien studiert. Anschließend hat er in Genf am CERN promoviert. Der gebürtig Wiener ist Gründer der art@CMS einem Projekt, das den fachübergreifenden Dialog zwischen Wissenschaft, Kunst und der Öffentlichkeit fördern soll. Kontakt:michael.hoch@cern.ch