Das Fremde als Teil des Selbst – Gewinner des Fotowettbewerbs GUTE AUSSICHTEN

Von Andrea Bruchwitz - Mi, 22.03.2017 - 15:17
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Foto: Holger Jenss, Last Chance Junction, www.guteaussichten.org

Der Fotowettbewerb GUTE AUSSICHTEN, der zu den wichtigsten Auszeichnungen für junge Nachwuchsfotografen zählt, hat auch im 13. Jahr faszinierende Werke hervorgebracht. Eine achtköpfige Jury aus Kunstwissenschaftlern, Kuratoren und Fotografie-Experten hat sieben Gewinner ausgewählt, die sich in ihrem Schaffensprozess mit dem Unbekannten auseinandergesetzt haben. In den Hamburger Deichtorhallen werden die Arbeiten noch bis zum 1. Mai ausgestellt. Besucher können sich mehr als 280 Fotografien sowie diverse Videos, Diaprojektionen und Installationen anschauen. Hier gibt es einen faszinierenden Einblick in die Siegerwerke.

Miia Autio und Holger Jenss begeben sich ins ferne Afrika

Die beiden Nachwuchsfotografen Miia Autio und Holger Jenss haben auf dem afrikanischen Kontinent nach dem Unbekannten gesucht. Die in Finnland geborene Miia Autio inszeniert dunkelhäutige Menschen, die durch einen genetischen Defekt sehr helle Haut haben und in Tansania als Außenseiter abgestempelt werden. Die Fotografin verwendet für ihre Werke das Negativ der Fotografie, nicht das Positiv, und kehrt die sichtbare Farbgebung damit um.

Miia Autio inszeniert dunkelhäutige Menschen, die durch einen genetischen Defekt sehr helle Haut haben Foto: Miia Autio, Variation of White, www.guteaussichten.org

Holger Jenss spielt mit der Frage, welche Objekte ein weißer Europäer in Afrika fotografiert. In seiner Serie Last Chance Junction geht es Jenss um den reisenden Fotografen, der unter dem ständigen Druck steht, in einer fremden Kultur alles „richtig zu machen“.

Holger Jenss spielt mit der Frage, was ein weißer Europäer in Afrika fotografiert Foto: Holger Jenss, Last Chance Junction, www.guteaussichten.org

Chris Becher, Andreas Hopfgarten und Julia Steinigeweg haben in ihrem Heimatort, also in einer vertrauten Umgebung, nach dem Unbekannten gesucht. Chris Becher fotografiert in seiner Reihe Boys männliche Sexarbeiter, dabei inszeniert er sie auf Augenhöhe und vermeidet bewusst jegliche Bewertungen. Damit möchte er den Blick des Betrachters für eine wertfreie Einordnung öffnen.

Chris Becher fotografiert in seiner Reihe Boys männliche Sexarbeiter Foto: Chris Becher, Boys, www.guteaussichten.org

Andreas Hopfgarten setzt sich in
Die Weltesche Yggdrasil oder die Suche nach einer verlorenen Erinnerung mit familiären Ereignissen im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit auseinander. Dabei füllt er narrative Lücken mit eigenen Interpretationen auf.

Andreas Hopfgarten sucht nach einer verlorenen Erinnerung Foto: Andreas Hopfgarten, Die Weltesche Yggdrasil, www.guteaussichten.org

Julia Steinigeweg geht der Frage nach, was ein Mensch braucht, um Liebe zu empfinden. Sie lotet in ihrer Reihe Ein verwirrendes Potenzial gesellschaftliche Grenzen aus und inszeniert die Puppe als Menschenersatz.

Julia Steinigeweg fragt sich, was ein Mensch braucht, um Liebe zu empfinden Foto: Julia Steinigeweg, Ein verwirrendes Potenzial, www.guteaussichten.org

Carmen Catuti erforscht religiöse Symbole

Die gebürtige Rumänin Carmen Catuti ist nach Georgien gereist, um in Marmarilo repräsentative Objekte der christlichen Religion aus ihrem Kontext zu heben. Catuti untersucht in gebrochenen Bildkonstruktionen die Kraft ihrer Verführung.

Catuti untersucht in gebrochenen Bildkonstruktionen die Kraft ihrer Verführung. Foto: Carmen Catuti, Marmarilo, www.guteaussichten.org

Quoc-Van Ninh wurde zwar in Deutschland geboren, doch er hat multikulturelle Wurzeln: Sein Vater ist Vietnamese, die Mutter Chinesin. Der junge Fotograf ist nach Vietnam gereist und hat versucht, das Fremde zu fassen – seine Eindrücke aus Vietnam offenbaren sich als dunkel und verklärt.

Quoc-Van Ninh ist nach Vietnam gereist und hat versucht, das Fremde zu fassen Foto: Quoc-Van Ninh, Tenebrae, www.guteaussichten.org

Die philosophische Botschaft hinter den gekürten Fotografien lautet, dass das Fremde nicht ausgesperrt werden darf. Wenn man die Augen öffnet und das Unbekannte genauer ansieht, erscheint es plötzlich nicht mehr so fremd.


Weitere Ausstellungstermine: Ab 27. April 2017: Goethe-Institut Nicosia, Zypern Ab 18. Mai 2017: Landesmuseum Koblenz Mehr Informationen unter www.guteaussichten.org

Ob Fotoreisen oder freie Projekte: Gelungene Fotografien sollten nicht auf der Festplatte verstauben. In einem hochwertigen Fotobuch kann jeder Hobby- und Profifotograf sein Portfolio auf hochwertigem Fuji-Fotopapier präsentieren. Mit WhiteWall ein Fotobuch online gestalten