Interview mit dem Fotografen Michael Belhadi

Von Fabian Peters - Fr, 27.03.2015 - 12:19
Interview mit dem Fotografen Michael Belhadi | WhiteWall
Der Wahlberliner Michael Belhadi hat in seinem Leben bereits einige Stationen hinter sich. 1963 in Oran, Algerien geboren, wuchs der heute zweifache Vater jedoch im Westfälischen Paderborn auf. Mit der Fotografie kam Michael Belhadi auf einem weiteren Zwischenstopp in Niederbayern in Berührung, dort arbeitete er während seines Zivildienstes als OP Fotograf, danach als freier Fotodesigner für verschiedene Werbeagenturen in Regensburg. Trotz seines großen Interesses an der Fotografie entschied sich Belhadi anschließend für einen anderen beruflichen Werdegang, von 1986 bis 2007 arbeitete er als selbständiger Gastronom. Doch das kreative Arbeiten, der Umgang mit der Kamera fehlten ihm, so verkaufte er alle gastronomischen Beteiligungen und beschloss den endgültigen Umzug nach Berlin. Angst vor Veränderung hat Michael Belhadi nie gehabt und der letzte Schritt in die Hauptstadt hat sich gelohnt: Neben seiner Arbeit als freier Fotodesigner konnte der jetzige Berliner bereits einige Ausstellungen mit eigenen Werken realisieren, wie in Berlin, Düsseldorf oder London. Es wird sicherlich spannend, die nächsten Schritte dieses Fotografen zu verfolgen. [gallery size="large" link="file" columns="9" ids="1169,1171,1173,1175,1177,1179,1181,1183,1185"] Was hat Sie zur Fotografie geführt, seit wann beschäftigen Sie sich bewusst mit diesem Medium? Angefangen habe ich Ende der 70er Jahre. Es waren die Schwarzweiß-Bilder eines Freundes, die mich dazu gebracht haben selbst zu fotografieren. Dann kam jedoch nach etwa sechs Jahren erst einmal eine lange, 20-jährige Pause, bis ich wieder angefangen habe digital zu fotografieren. Wann haben Sie gemerkt, dass Fotografieren für Sie mehr ist als nur ein Zeitvertreib? Als ich bemerkt habe, dass ich neue Umgebungen vor allem als potenzielle Bildmotive wahrnehme.
Betrachtet man Ihre Werke auf dem WhiteWall Kunstmarkt, findet man vorrangig urbane Szenarien und Motive, vor allem aus Berlin. Was reizt Sie fotografisch an dieser Stadt? Es ist die einzigartige, jüngere Geschichte dieser Stadt und ihre besondere Architektur, vor allem im Ostteil. Es reizt mich sehr, oft Gesehenes und vielleicht nicht Beachtetes aus einem neuen Blickwinkel darzustellen, der einem die Schönheit des vermeintlich Gewöhnlichen offenbart. Neben dem urbanen Thema geht es in Ihren Fotografien viel um Formen, geometrische Muster, Symmetrien und Perspektiven – was fasziniert Sie daran besonders? Es ist die ganz eigene Ästhetik dieses Sujets, die mich so fesselt. Menschen und Porträts findet man dagegen kaum in Ihrem Portfolio… Das liegt daran, dass ich Menschen in den von mir gewählten Motiven als eher störend empfinde. Welche Motive interessieren Sie inhaltlich und visuell überhaupt nicht? Vielleicht die „Celebrity Fotografie“, sonst bin ich eigentlich offen für alles. Was würden Sie sagen, was ist „typisch Michael Belhadi“ an Ihren Arbeiten? Möglicherweise die klaren Formen und eine gewisse Nüchternheit, die ich aber keinesfalls als ‚kühl’ verstehe. Besonders für professionelle Fotografen spielt die Produktion der Werke eine große Rolle. Was muss ein professionelles Fotolabor leisten können, um Sie zu überzeugen? Da wäre als erstes die Qualität der Prints und dann die Verarbeitung in den verschiedenen Kaschierungen, das sollte schon Galerie- beziehungsweise. Museumsniveau sein! Welche WhiteWall Rahmungen oder Kaschierungen sind bei Ihren Kunden am beliebtesten, was finden Sie persönlich am Schönsten? Ich denke, der echte Fotoabzug unter mattem Acrylglas kommt sehr gut an. Mir persönlich gefällt die neue Kaschierung unter Acrylglas in matt auch besonders gut. Seit wann lassen Sie Ihre Fotografien von WhiteWall produzieren und veredeln, was hat Sie dabei überzeugt? Schon seit 2008 .Überzeugt hat mich das Gesamtkonzept, die Kombination von Kunstmarkt und einem hervorragendem Fotolabor.
Mit welchem Kamera Equipment arbeiten Sie? Schon immer mit Canon, zurzeit mit einer 5D Mark lll. Welche Ihrer Fähigkeiten hilft Ihnen beim Fotografieren am meisten? Das fertige Bild im Kopf zu haben, bevor ich die Kamera in die Hand nehme. Ist Fotografie ein erlernbares Handwerk oder kommt es hauptsächlich auf Talent an? Ganz sicher ist es ein erlernbares Handwerk, das aber wohl ohne eine gewisse Kreativität nur eine reine Dienstleistung bleibt. Gibt es ein Wunschmotiv, welches Sie gerne einmal ablichten würden? Einen bestimmten Menschen, eine Situation oder Metropole? Neben der Michigan Central Station in Detroit würde ich sehr gerne in Pjöngjang fotografieren, sobald sich das Land geöffnet hat. Eine Millionenstadt voll mit stalinistischer Monumentalarchitektur, wie zum Beispiel das Ryugyong Hotel, und dabei gleichzeitig seit einem halben Jahrhundert vom Rest der Welt abgeschnitten und abgeschirmt. Das ist sicher eine einmalige Kulisse und Atmosphäre, die mich sehr reizt. Haben Sie selbst ein fotografisches Vorbild? Ein bestimmtes Vorbild, das ich namentlich benennen könnte habe ich nicht. Wohl aber gibt es natürlich Fotografen, deren Werk ich sehr verehre und bewundere, wie das von Bernd und Hilla Becher. Ihre Aufnahmen von alten Industrieanlagen, immer bei gleichem Licht (Becher Wetter), immer mit Zentralperspektive. Was mir so besonders gefällt ist, dass nicht die Funktion der Gebäude oder Anlagen, sondern ihre Schönheit fotografiert wurde. Auch viele ihrer Schüler beeinflussen mich natürlich. Ich versuche so oft wie möglich Ausstellungen zu besuchen, was einem ja in Berlin nicht unbedingt schwergemacht wird. Daher möchte ich noch Beate Gütschow erwähnen, deren Arbeiten aus der "S Serie" ich vor ein paar Jahren im Haus am Waldsee in Berlin gesehen habe. Wundervolle Schwarzweiß-Fotomontagen, die in ihrer Fiktion gleichzeitig sehr schön und auch beunruhigend sind. Was ist Ihrer Meinung nach eine der besten Fotografien, die es je gegeben hat? Das ist eine ganz schwere Frage, aber das „Afghanisches Mädchen“ von Steve McCurry aus dem Jahr 1984 gehört für mich sicher dazu. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen – Wie werden Ihre Arbeiten in zehn Jahren aussehen? Ich hoffe gut!
Fotos: Michael Belhad, Text: Claudia Haevernick