Petersburger Hängung

Von Fabian Peters - Fr, 15.04.2016 - 14:24
Petersburger Hängung | WhiteWall.com

Sie haben jede Menge Bilder, die Sie gerne aufhängen möchten, sind sich jedoch nicht sicher, wie Ihr Sammelsurium am besten zur Geltung kommt? Ob Sie Ihre kahlen Wände mit Gemälden, Kunstdrucken, Fotografien oder einem spannenden Stilmix zum Leben erwecken, hängt natürlich ganz von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Damit eine größere Anzahl an Bildern optisch perfekt zur Geltung kommt, sollten Sie bei der Inszenierung einige Regeln beachten. Wie wäre es mit einem geordneten Chaos an der Wand, der sogenannten Petersburger Hängung? Was zunächst wie ein Widerspruch erscheint, ist eine besonders schöne Art, unterschiedliche Bilder so zu arrangieren, dass unterm Strich ein effekt- und stilvolles Gesamtkunstwerk entsteht.

Inhaltsverzeichnis:

Bilder aufhängen: die Petersburger Hängung

Die Petersburger Hängung verdankt ihren Namen der berühmten Eremitage in Sankt Petersburg. Der ehemalige Hauptsitz der russischen Zarenfamilie dient heute ausschließlich als Museum, in dem rund 60.000 Kunstwerke in mehr als 350 Sälen ausgestellt sind. Die Gemälde hängen eng, über-, unter- und nebeneinander gereiht, teilweise bis zur Decke, was den Begriff Petersburger Hängung prägte. Im 18. Jahrhundert präsentierte vor allem der Adel seinen Reichtum in Form opulenter Bildersammlungen an den Wänden seiner Salons. Deshalb wird die Petersburger Hängung häufig auch Salonhängung genannt. Hinter der, auf den ersten Blick locker erscheinenden, Aufhängung verbirgt sich ein konsequentes Prinzip, das sich durch alle Kunstwerke hindurchzieht. Die annähernd gleiche Größe der Bilder, Ähnlichkeiten bezüglich ihrer Rahmung, wiederkehrende Farbnuancen oder inhaltliche Gemeinsamkeiten lassen die einzelnen Werke zu einer Einheit verschmelzen. Noch heute, im Zeitalter einfarbig gestrichener Wände und puristischer Einrichtung ist die Petersburger Hängung die perfekte Möglichkeit, vielfältige Kunstwerke so zu präsentieren, dass sie sich zu einer harmonischen Einheit verbinden, ohne dass die Spannung jedes einzelnen Werkes verloren geht.

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Bildergalerie in der Petersburger Eremitage (Eduard Hau, 1860)

Petersburger Hängung: Spiel mit Stilen, Größen und Farben

Hoch- neben Querformat, groß neben klein, Malerei neben Fotokunst: Die Petersburger Hängung bringt Ordnung ins scheinbar größte Chaos. Gleiche Abstände, sich ähnelnde Farben oder Rahmen schaffen Zusammenhänge zwischen den ansonsten unterschiedlichen Einzelelementen. Obwohl die Petersburger Hängung Blickachsen ignoriert, sorgen gleiche Formate oder Passepartouts optisch für Ruhe an der Bilder- oder Fotowand. Falls Sie sich die Petersburger Hängung in ihrer Ursprünglichkeit anzuschauen möchten, müssen Sie nicht unbedingt bis nach Petersburg reisen. Die tolle Wirkung der Salonhängung lässt sich auch heute noch in beinahe allen rekonstruierten deutschen Schlössern und in vielen Gemäldegalerien bewundern.

Sehenswerte Beispiele von Petersburger Hängungen

  • Schloss Sanssouci in Potsdam
  • Schloss Weißenstein in Pommersfelden
  • Gemäldegalerie im Dresdner Zwinger
  • Historisches Museum Frankfurt

Interessanterweise finden Sie die Petersburger Hängung auch in vielen Cafés und Kneipen. Dicht an dicht neben- und übereinander angeordnet präsentieren hier die Inhaber und Wirte prominente Gäste, historische Aufnahmen oder Kunst mit lokalem Bezug.

Petersburger Hängung – eine Anleitung für zu Hause

Falls Sie jetzt Lust auf eine private Bildergalerie à la Petersburger Hängung bekommen haben und Ihr zu Hause mit einer effektvollen Collage schmücken möchten, haben wir folgende Tipps für Sie:

  1.  Am besten eignet sich eine großflächige, weiß oder dezent einfarbig gestrichene Wand.
  2. Bei der Auswahl der Bilder oder Fotos haben Sie freie Wahl. Besonders schön wirken Werke, die sich entweder farblich oder bezüglich ihres Stils unterstützen. Durch die Verwendung von Passepartouts lässt sich eine bestimmte Farbe immer wieder aufnehmen oder besonders herausstellen.
  3. Die Rahmen sollten möglichst gut miteinander harmonieren. Falls Sie unsicher sind, wählen Sie Rahmen in einer Farbe, in verschiedenen Größen.
  4. Eine Ober- und eine Unterlinie an der Wand, an denen sich alle Bilder orientieren, verleiht dem Gesamtkunstwerk Ausgeglichenheit und Ruhe.
  5. Die Petersburger Hängung erhält durch eine waagerechte und eine etwas versetzt dazu angeordnete senkrechte Hilfslinie Klarheit.
  6. Gehen Sie nicht allzu akribisch vor. Die Hilfslinien dienen lediglich der Orientierung. Scheuen Sie sich nicht, verschiedene Größen und Formen zu mixen. Das erlaubt die Petersburger Hängung ausdrücklich.
  7. Falls Sie genügend Platz haben, können Sie zunächst alle Bilder auf dem Boden auslegen und so lange arrangieren, bis Sie zufrieden sind.
  8. Damit Sie nicht jeden Abstand einzeln ausmessen müssen, sollten Sie sich Abstandshalter aus fester Pappe anfertigen.
  9. Sofern Sie mehrere Bilder auf einer Linie aufhängen möchten, empfiehlt es sich, entweder ein Lasermessgerät oder eine straff gespannte Schnur zur Hilfe zu nehmen.

Beispiele und Inspirationen in der Bildergalerie:

©living4media/ Bauer Syndication

Petersburger Hängung im Sra Bua by Tim Raue © Martin Leuze

Objects by Boconcept

Salon Style

Petersburger Hängung

Die Petersburger Hängung im Vergleich zu anderen Hängungsarten

Neben der Petersburger Hängung gibt es natürlich weitere Möglichkeiten, Fotos, Gemälde & Co. ansprechend zu präsentieren. Die wichtigsten, von Galeristen und anderen Profis genutzten Hängungsarten sind:

Einzelhängung:

Ein besonders lieb gewonnenes, schönes oder ausgefallenes Bild bekommt an der Wand einen Ehrenplatz und kann seine Wirkung uneingeschränkt entfalten. Wichtig ist hierbei, dass Sie die Relation zwischen der Größe der Wand und der des Bildes beachten.

Rasterhängung:

Im Gegensatz zur Petersburger Hängung ist hier strenge Symmetrie und Geometrie gefragt. Eine gerade Anzahl Fotos derselben Größe befinden sich jeweils waagerecht und/oder senkrecht auf einer Linie. Alle Abstände untereinander sind gleich.

Kantenhängung:

Alle Bilder sind an einer theoretischen Mittellinie angeordnet. Diese Hängungsart eignet sich gut für niedrige Räume.

Mehrteiler:

Ein großformatiges Bild besteht aus mehreren Elementen, die, zusammengesetzt, ein großes Ganzes gergeben. Es muss sich nicht zwingend um gleich große Elemente handeln. Allerdings sollten die einzelnen Teile in einer Reihe, auf Kante und in einem geringen Abstand zueinander an der Wand befestigt werden. Ein klassisches Beispiel für einen Mehrteiler ist das Triptychon.

Inside the Lines Hängung:

Ähnlich wie bei der Petersburger Hängung werden die Bilder nicht zwingend auf Kante oder in gleichen Abständen zueinander aufgehängt. Allerdings sind alle Werke innerhalb einer imaginären geometrischen Form angeordnet. Das kann ein Rechteck, eine Diagonale, ein Oval oder ein Kreis sein. Innerhalb dieser Form hängen die Bilder zwanglos.

Bilderleiste:

Der Fachhandel bietet spezielle Leisten an, auf denen Sie Ihre Bilder an der Wand abstellen können. Zusätzlich lassen sich auf der Leiste weitere Gegenstände platzieren. Diese Art des Bilderarrangements bietet Ihnen die Möglichkeit, nach Lust und Laune, sehr flexibel zu dekorieren.