Strand-Fotos: Profi-Tipps für perfekte Urlaubserinnerungen

Von Sabine Grossbauer - Di, 28.08.2018 - 17:57
Spaziergang mit Hut am Strand - Urlaubsfotos erinnern

Für Urlauber ist der Strand vor allem ein Ort der Entspannung. Für Fotografen jedoch ist der Strand ein Mikrokosmos, der dem wachen Auge unendlich viel zu bieten hat. Die unendliche Weite, weißer Sand zwischen wehenden Gräsern und blaues Meer soweit das Auge reicht: Diesen Moment wollen die meisten Strandliebhaber einfangen und mit nach Hause nehmen. Nur wie? Denn bei hartem Licht und flacher Landschaft die Stimmung tatsächlich einzufangen und ein spannendes Foto zu bekommen, ist gar nicht so einfach, wie es scheinen mag. Wir zeigen Ihnen, wie Sie solche Urlaubsmomente archivieren können und Ihre Strand-Fotos alles andere als langweilig werden.

Ausrüstung und Technik für Strand-Fotos: Damit Bilder und Kamera nicht baden gehen

Grundsätzlich können Sie Ihre Fotos am Strand mit jeder Art von Kamera machen. Sobald Sie allerdings etwas näher an Ihre Sujets heran wollen, kann die Kamera schnell mit Sand oder Wasser in Berührung kommen. Deshalb ist gerade bei Makroaufnahmen oder extremen Perspektiven ein staub- und spritzwassergeschütztes Equipment zu empfehlen. Nehmen Sie außerdem ein Mikrofasertuch mit, um Ihre Frontlinse sauber zu halten.

Schützen Sie Ihre Kamera am Strand vor Sand und Wasser

Objektivwechsel: Am Strand eine echte Herausforderung!

Beim Objektivwechsel am Strand ist grundsätzlich Vorsicht geboten: Gerade bei windigem Wetter kann leicht Sand ins Gehäuse Ihrer Kamera gelangen. Wechseln Sie das Objektiv daher immer mit dem Rücken zum Wind und schützen Sie die Kamera zusätzlich, indem Sie den Wechsel unter einer Jacke oder einem Handtuch vornehmen.

Schützen Sie beim Objektivwechsel Ihre Kamera vor Sand

Der richtige Filter: Einzigartige Effekte für Ihre Strand-Fotos

Ein Zirkular-Polfilter ist für das Fotografieren am Strand Gold wert. Mit diesem Filter können Sie bei Sonnenschein das Tiefblau des Himmels betonen und Reflexionen auf der Wasseroberfläche oder dem nassen Sand kontrollieren. Obendrein ist die Bedienung kinderleicht: Drehen Sie einfach den beweglichen Teil des Filters, bis Sie den gewünschten Effekt exakt im Sucher sehen.

Der Zirkular-Polfilter sorgt für einzigartige Effekte bei Ihrem Foto am Strand

Do-It-Yourself-Tipp: Sie haben keine spritzwassergeschützte Kamera? Kein Problem! Sie können sich ganz einfach mit einer transparenten Tüte behelfen und selbst einen improvisierten Schutz basteln: Machen Sie am unteren Teil der Tüte ein kleines Loch, drücken Sie dann das Objektiv ein Stückchen hindurch und fixieren Sie den oberen Rand der Tüte mit der Gegenlichtblende. Nun können Sie von hinten durch die Öffnung hineingreifen und wie gewohnt Ihre Kamera bedienen. Fertig ist der Spritzwasserschutz! Dieser Spritzwasserschutz ist übrigens auch sehr gut als Regenschutz geeignet.

Das perfekte Licht für Strand-Fotos: Immer anders, aber niemals langweilig

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie unterschiedlich die Lichtstimmung am Meer je nach Tageszeit sein kann? Ähnlich wie das Wetter beeinflusst sie die Bildwirkung enorm. Manche äußeren Voraussetzungen sind für gewisse Motive ideal, während andere das Fotografieren am Strand zur echten Herausforderung machen. Nutzen Sie die Vielfalt des Lichts für Ihre Strand-Fotos.

Portraitaufnahmen am Strand: Wolken erwünscht

Ganz klar: Am Meer wünscht sich jeder Sonne satt. Doch für Portraitaufnahmen am Strand ist tatsächlich ein bedeckter Himmel von Vorteil. Die Wolken sorgen dafür, dass das Licht weich ist und keine harten Schatten entstehen. Außerdem verhindern sie einen allzu bekannten, unerwünschten Nebeneffekt: im grellen Licht zusammengekniffene Augen. Natürlich haben auch im direkten Sonnenlicht gemachte Portraitaufnahmen ihren Reiz. Hier können Sie einen Reflektor zu Hilfe nehmen, um die tiefen Schattenpartien im Gesicht etwas aufzuhellen.

Bei Portraitaufnahmen am Strand sind Wolken erwünscht - weiches Licht und keine harten Schatten

Auch Wolken haben Vorteile - Strandfotos mit weichem Licht

Strandbilder im direkten Sonnenlicht haben auch ihren Reiz.

Sonnenauf- und Sonnenuntergang: Unermüdlicher Klassiker für Strand-Fotos

Sonnenauf- und Sonnenuntergang sind am Strand besonders beeindruckend und klassischerweise die ideale Zeit für Landschaftsfotografen. Nicht minder eindrucksvoll sind auch Portraitaufnahmen zu diesem Zeitpunkt. Versuchen Sie sich ruhig an dramatischen Gegenlichtaufnahmen, die durch die tiefstehende Sonne und das nicht mehr ganz so harte Licht besonders gut gelingen. Außerdem lassen sich menschliche Silhouetten in diesem Licht besonders reizvoll einfangen.

Sonnenauf- und Sonnenuntergang: Klassiker für Strand-Fotos

Strandfotos bei Sonnenuntergang als Silhouette sind ganz besonders

Helles Licht für Sport und Action

Sie begeistern sich eher für Sport- und Actionfotografie? Dann ist ein sonniger Vor- oder Nachmittag die ideale Zeit zum Fotografieren am Strand. Das helle, intensive Sonnenlicht erlaubt nämlich extrem kurze Belichtungszeiten. So können Sie Bewegungen sehr gut „einfrieren“.

Helles Licht am Strand sorgt für großartige Sport- und Action-Fotos

Profi-Tipp: Ärgern Sie sich nicht, wenn ein Tag am Strand mal stürmisch oder regnerisch ist. Gerade für die Landschaftsfotografie bieten sich solche Tage geradezu an, um eine außergewöhnliche Stimmung einzufangen und besonders spannende Fotos zu machen. Aber vergessen Sie die winddichte Jacke nicht!

Der Hintergrund: Das Spiel mit der Horizontlinie

Ein entscheidender Faktor beim Fotografieren am Strand ist der Hintergrund. Bei Fotos, die am Strand geschossen werden, ist das die meist sehr prominente Linie des Horizonts. Um langweilige Fotos zu vermeiden, positionieren Sie diese Linie nicht genau in der Bildmitte, sondern im Goldenen Schnitt deutlich darüber oder darunter. Die Wirkung wird Ihnen sofort ins Auge springen: Die Fotos sind weniger statisch und viel spannender.
Ein besonderer Augenblick am Strand kann den Fotografen schon mal vergessen lassen, auf eine gerade Horizontlinie zu achten. Halb so schlimm! In der Nachbearbeitung lässt sich das mit wenigen Klicks korrigieren. Oder Sie setzen den schrägen Horizont direkt als Gestaltungselement ein, um Ihren Bildern noch mehr Dynamik zu verleihen. Dazu sollte die Schräge aber ausgeprägt genug sein, um nicht etwa als Versehen interpretiert zu werden.

Mit dem Goldenen Schnitt gelingen Ihnen spannende Strandfotos

Mit Langzeitbelichtung den Zauber der Brandung einfangen

Jeder Landschaftsfotograf liebt die Brandung des Meeres. Aus gutem Grund, denn mit Langzeitbelichtung können Sie beim Fotografieren des sich vor- und zurückbewegenden Wassers einen tollen Effekt erzielen: Bei ausreichend langer Belichtung bekommt auch das wildeste Wasser eine glatte, ruhige und fast nebelartige Anmutung.
Bei langen Belichtungszeiten ist ein Stativ ein absolutes Muss. Denn selbst mit Bildstabilisator ist die menschliche Hand nicht in der Lage, das Bild mehrere Sekunden zu belichten, ohne dabei zu wackeln.

Ein weiteres Problem bei langen Belichtungszeiten am Tag ist die Gefahr der Überbelichtung – selbst bei niedrigsten ISO-Zahlen. Hier kommen Grau- bzw. ND-Filter zum Einsatz: Sie verdunkeln das Bild künstlich, sodass Sie viel länger belichten können, um trotzdem dieselben Helligkeitswerte im Bild zu erreichen.
Experimentieren Sie ruhig mit verschiedenen Belichtungszeiten, und vergleichen Sie deren Wirkung auf das Bild.

Mit Langzeitbelichtung den Zauber der Brandung einfangen - besonders wirkungsvoll in schwarzweiss

Mit Langzeitbelichtung den Zauber der Brandung einfangen und Stativ dabei nicht vergessen

Und Action! Tiere und Menschen auf Strand-Fotos

Herumtollende Kinder, Wassersportler und freche Möwen – auch Actionfotografen werden für ihre Fotos am Strand immer ein gutes Motiv finden. Damit sich die Akteure hier gut vom Hintergrund abheben, wählen Sie am besten eine eher offene Blende und die kürzeste Belichtungszeit, die Sie einstellen können.

Ein Foto für gute Laune - Action mit Salto am Strand

Die besten Action-Fotos am Strand gelingen mit offener Blende und kurzer Belichtungszeit

Auch ein Klassiker am Strand - der Möwe

Profi-Tipp: Um mehr Dramatik ins Bild zu bringen, gehen Sie doch einfach mal in die Knie und fotografieren Sie aus der Froschperspektive heraus. Brandung, Wellen und natürlich Tiere und Menschen wirken so plötzlich viel größer, als sie tatsächlich sind. Wenn Ihre Motive sich relativ nah vor der Kamera bewegen, können Sie diesen Effekt noch mit einem Weitwinkelobjektiv verstärken.

Still- und Makrofotografie am Strand: Entdecken Sie die Details

Entdecken Sie die Details am Strand

Muscheln, Wellen, Sand - Fotografie am Strand in Detail

Kinder sehen in allem etwas Besonderes: Sandburgen, Sonnenschirme, Muscheln, gestrandete Quallen oder Fußspuren im Sand. Nehmen Sie sich ein Beispiel! Gerade die kleinen Details am Strand geben stimmungsvolle Motive ab. Gehen Sie mal um Ihr Motiv herum, um vielleicht von der anderen Seite aus eine noch bessere Perspektive oder Lichtstimmung zu entdecken, und vor allem – nehmen Sie sich Zeit. Denn die gibt es am Strand reichlich.

Faszinierende Strand-Fotos mit dem Makroobjektiv

Sie wollen noch einen Schritt weitergehen? Dann greifen Sie zum Makroobjektiv. Haben Sie schon einmal Wassertropfen auf einer Möwenfeder fotografiert oder die Oberflächenstruktur einer interessanten Muschel? Der Strand hält so viele, scheinbar unauffällige, Formen und Muster für neue Motive bereit.

Muschel eignen sich für großartige Makro-Aufnahmen

Werden Sie abstrakt!

Wenn Sie möchten, dass Ihr Foto abstrakt wird, dann gehen Sie noch ein Stück näher an Ihr Motiv heran. In der abstrakten Fotografie können Sie sich ganz auf Texturen, Farben und Flächen konzentrieren. Am Strand verändern sich die Elemente ständig, Wasser und Sand bieten hier mit etwas Kreativität und Experimentierfreude unzählige Gestaltungsmöglichkeiten.

Am Strand sind auch abstrakte Fotos möglich - gehen Sie einfach noch ein Stück näher ran

Lassen Sie den Alltag hinter sich und Ihrem wachen Auge freien Lauf. Sie werden von der Vielfalt, die ein Tag am Strand plötzlich zeigt, verzaubert sein.

Über die Autorin
Sabine Grossbauer ist freiberufliche Webdesignerin, Fotografin, Leiterin für Fotoreisen und Coach in den Bereichen Architekturfotografie, Tabletop- und Foodfotografie, Landschafts- und Makrofotografie, experimentelle und abstrakte Fotografie & Lightpainting.