Studiobesuch bei Oliver Kröning & Dennis Orel

Von Fabian Peters - Mi, 14.05.2014 - 15:25

Das Fotografen-Duo Oliver Kröning & Dennis Orel arbeitet perfekt zusammen, die zwei Stuttgarter scheinen sich gesucht und gefunden zu haben. Ihre frühe Begeisterung fürs Fotografieren und ihr ähnlicher Werdegang führten sie schließlich im Rahmen verschiedener beruflicher Projekte zusammen. Heute arbeiten die beiden im Team und sind gemeinsam erfolgreich, wie zuletzt bei der Teilnahme am Canon Profifoto Förderpreis 2009/2010. Das Ergebnis: Eine Ausstellung im Rahmen der Photokina im September dieses Jahres. Kröning_Orel_frei_770x260

Kröning & Orel sind mit ihrer Serie "El Arenal" im LUMAS Portfolio vertreten. Eine Werkreihe, die durch ihre Originalität sofort ins Auge sticht und im Gedächtnis hängen bleibt. Die Idee kam den beiden während einer Produktion auf Mallorca, die außergewöhnliche Umsetzung folgte wenige Zeit später. Die Arbeiten zeigen den berühmt berüchtigten Strandabschnitt "El Arenal" aus der Vogelperspektive, die bunten Liegestühle, Sonnenschirme und Handtücher der Badegäste wirken wie sorgfältig arrangierte Muster auf dem makellosen Sand. Es war ein weiteres Projekt ihrer bisherigen gemeinsamen Arbeit, und es war zugleich die Serie, mit der sie den Canon Profifoto Förderpreis gewannen. Der fortlaufende Wettbewerb richtet sich an junge, professionelle Nachwuchsfotografen, die ihre individuellen Projekte einreichen können und wird unter anderem auch vom Foto-Fachlabor WhiteWall unterstützt. Die beiden Fotografen haben nicht nur den Wettbewerb inklusive Preisgeld für sich entscheiden können, sondern zeigen ihre Gewinnerarbeiten auch während der Photokina in Köln im September 2010. Die Stuttgarter freuen sich auf das Feedback der Besucher, sogar auf die Kritik, mit der sie meist mehr anfangen können als mit einem freundlich gemeinten "schön". Das Ergebnis ihrer monatelangen Arbeit endlich an einer weißen Wand zu sehen ist für die zwei auch nach ihren ersten Erfolgen immer noch spannend. Auch wenn Kröning & Orel konzeptionell arbeiten und jedes Shooting so exakt wie möglich vorbereiten, um ihrer Idee so nah wie möglich zu kommen, lassen sie dem Zufall genug Raum, um auf ihre Arbeiten einwirken zu können. Das Ergebnis in Form eines großen Panoramas an der Wand zu sehen, zu merken, ob die Ideen funktioniert haben, ist für die beiden jedes Mal aufs Neue aufregend und überraschend. kroening_orel_2 kroening_orel_3

Interview mit Oliver Kröning & Dennis Orel

Mit Ihrer Serie "El Arenal", aus der Vogelperspektive aufgenommene Panoramen des berühmten gleichnamigen Strands, sind Sie im LUMAS Portfolio vertreten. Wie sind Sie auf die Idee hinter dieser Werkreihe gekommen? Dennis Orel: Die Idee kam uns eigentlich eher spontan während einer Fotoproduktion auf Mallorca. Der legendäre Strandabschnitt mit all seinen Protagonisten war schon sehr skurril. Die Frage war eigentlich nur noch, wie man das Ganze etwas außergewöhnlicher auffassen könnte. Sie haben Ihre Serie "El Arenal" auch beim Canon Profi Förderpreis eingereicht und haben letztes Jahr gewonnen. Welche Bedingungen waren mit der Teilnahme verbunden? Oliver Kröning: Das Thema des Wettbewerbs war allen Teilnehmern freigestellt, was natürlich schon einmal eine gute Basis ist, um seinen Ideen freien Lauf lassen zu können. kroening_orel_4

Was hat Sie gereizt an diesem Wettbewerb teilzunehmen? Oliver Kröning: Wir haben dringend einen neuen Tintenstrahldrucker benötigt (lacht)! Nun können Sie Ihre Gewinnerarbeiten im Rahmen der Photokina in Köln im September dieses Jahres zeigen. Ist es immer noch aufregend, die eigenen Bilder als Teil einer Ausstellung zu sehen? Denis Orel: Ich glaube jeder Künstler findet es toll, wenn man die Möglichkeit bekommt seine Arbeiten einem größeren Publikum präsentieren zu dürfen, zumal die Besucher der Photokina hauptsächlich fotografie-interessierte Menschen sind. Haben Sie Angst vor Kritik? Trifft Sie Kritik an Ihren Arbeiten? Oliver Kröning: In der Regel freut man sich auch über negative Kritik, weil das bedeutet, dass sich derjenige intensiv mit dem Werk auseinandergesetzt hat. Oftmals kann ich nicht viel damit anfangen, wenn jemand einfach nur sagt "ja schön". Mit welcher Kamera und welchem Equipment arbeiten Sie? Dennis Orel: Die Systeme und Anbieter variieren je nach Bedarf. Hauptsächlich arbeiten wir aber mit Nikon und Leaf Digital Back. Fotografieren Sie auch noch analog oder inzwischen nur noch ausschließlich digital? Oliver Kröning: Das Polaroid ist eigentlich unsere letzte Verbindung in die analoge Welt, ansonsten konzentrieren wir uns ganz auf den digitalen Part. Dennis Orel: Bei den meisten unserer Shootings beginnt für uns die wahre Arbeit erst danach, was schlichtweg vom Arbeitsprozess her in der analogen Fotografie so gar nicht möglich wäre. Dann ist für das endgültige Ergebnis Ihrer Fotografien auch das Fachlabor von großer Bedeutung. Welchen Qualitätsstandard sollte ein Fotofachlabor vertreten? Dennis Orel: Für uns ist ein gleichbleibender Qualitätsstandard, auf den man sich verlassen kann, sehr wichtig. "Open 24 hours" ist auch von Vorteil. Die Zusammenarbeit zwischen Fotografen und Foto-Labor muss stimmen. Kunst trifft auf Handwerk. Kann es da zu Konflikten kommen? Oliver Kröning: Die Zusammenarbeit zwischen Fotograf und Labor ist mit einer Ehe vergleichbar. Erst die gute Zusammenarbeit lässt ein optimales Ergebnis entstehen. In dem Fall kein schreiendes Baby, sondern ein kerngesunder Abzug. Dennis Orel: Wobei wir den künstlerischen Part eher auf der Seite des Fotografen sehen und die handwerkliche Vollendung in der Hand des Labors. Ein schlechtes Foto wird auch im Labor nicht besser. kroening_orel_5

Was hat Sie überzeugt mit WhiteWall zusammen zu arbeiten? Oliver Kröning: Ganz einfach: Das Ergebnis stimmt. Was unterscheidet Ihrer Meinung nach WhiteWall von anderen Fotofachlaboren? Dennis Orel: Das Gesamtpaket von Whitewall ist über deren Erfahrung der letzten Jahre zu einer ziemlichen Perfektion gereift. Nicht jeder, der fotografiert, ist gleich ein Künstler, aber die Ergebnisse machen fast jedes Foto zum Kunstwerk. Sie beide arbeiten im Team. Wie kann man sich Ihr Shooting vorstellen? Haben Sie eine klare Arbeitsteilung? Wer übernimmt welchen Part? Dennis Orel: Die Konzeption eines Shootings entsteht in unserer gemeinsamen Vorarbeit und Ideenfindung, welche sich auch während des Fotografierens fortsetzt. Wer letztendlich den Auslöser drückt ist für die Bildidee und das Ergebnis nicht entscheidend. Wie lange dauert es von der Idee in Ihrem Kopf bis zur tatsächlichen Realisierung eines Bildes? Oliver Kröning: Manche Fotoprojekte entstehen über einen Zeitraum von zwei Jahren, in denen man Motive zusammenträgt. Bei anderen Projekten ist es wichtig, diese in einem kurzen Zeitrahmen zu realisieren, um die Dynamik aufrechtzuerhalten. Kann es passieren, dass Ihnen ein Motiv beim Blick durch die Kameralinse gefällt und später als Fotoabzug völlig den Reiz verliert? Oliver Kröning: In dem Moment, wenn man durch die Linse schaut, nimmt man das Motiv nicht nur visuell wahr, sondern mit allen Sinnen. Später auf dem Abzug wird alles nur auf den jeweilgen Moment fokussiert. Da ist es schon vorgekommen, dass das Motiv auf dem Abzug eine andere Wirkung hatte als in der Realität. Erinnern Sie sich, wann Sie Ihr erstes Foto gemacht haben und was darauf zu sehen war? Oliver Kröning: Das war mit der Polaroid Kamera meines Vaters, am Tage meiner Einschulung. Leicht verwackelt aber zu erkennen: Meine Nachbarin beim FKK-Sonnen auf der Terrasse. Leider wurden alle Bilder konfisziert. Dennis Orel: Wir waren im Urlaub auf Mallorca am Strand, der Fokus der Ricoh konzentrierte sich ganz auf die nussbraunen, dickbäuchigen "Strandschönheiten". Warum haben Sie sich für das Fotografieren als Ausdrucksform entschieden? Wann entdeckten Sie Ihre Leidenschaft? Dennis Orel: Ich wurde mehr oder weniger auf der Hohlkehle geboren, der Ort war mir von Anfang an sympathisch. Oliver Kröning: Meine Nachbarin auf einem Foto festzuhalten war ein prägendes Erlebnis für mich und als ich hörte, dass man damit Geld verdienen kann wollte ich nicht mehr Indianer sondern Fotograf werden. kroening_orel_6

Haben Sie ein persönliches Vorbild, wenn es ums Fotografieren geht? Oliver Kröning: Es gibt viele tolle Künstler, die mich Inspiriert haben. Einzelne raus zu picken ist schwierig. Einer von ihnen war definitiv mein Opa, der Kachelofenbauer war und nach jedem fertig gestellten Kachelofen ein Foto machte. Dennis Orel: All diejenigen, die es immer wieder schaffen neue Sichtweisen und vor allem neue Bildideen zu erschaffen. Welche Ihrer Fähigkeiten nutzt Ihnen beim Fotografieren am meisten? Dennis Orel: Ich denke, dass wir immer das Motiv schon ziemlich genau im Kopf haben. Der Rest ergibt sich aus Handwerk und dem Zufall. Was muss man als Fotograf unbedingt können? Oliver Kröning: Zu wissen, wo der Auslöser sitzt ist schon mal ein guter Anfang...! Geht es hauptsächlich um Talent oder ist die Fotografie ein Handwerk, das man erlernen kann? Oliver Kröning: Bis zu einem gewissen Grad kann man alles erlernen. Um sich dann letztendlich abzuheben ist Talent von Nöten. Entsteht ein besonders gutes Bild eher zufällig oder muss jedes Bild sorgfältig vorbereitet sein? Dennis Orel: Jedes Shooting hat seine spezielle Vorbereitung, um der Idee so nahe wie möglich zu kommen, aber es ist super wichtig dem Zufall seinen Platz einzuräumen. Oliver Kröning: Die besten Motive entstehen immer nur in Verbindung mit dem Zufall des jeweiligen Augenblickes, und sei es nur der richtige Augenblick in der Mimik oder Gestik eines Models. Sind die so genannten "Lucky Shots", die nur aus Zufall entstehen aber fantastisch aussehen, ein fotografischer Mythos oder gibt es das wirklich? Dennis Orel: Der "Lucky Shot" ist mit dem "Lucky Punsch" zu vergleichen – er entsteht auch nur durch harte Arbeit in Verbindung mit dem richtigen Zeitpunkt. kroening_orel_7

Welche Motive interessieren Sie überhaupt nicht? Oliver Kröning: Es gibt nichts, das zu uninteressant wäre um es zu fotografieren. Es ist alles nur eine Frage, wie man die einzelnen Motive interpretiert. Dennis Orel: Botanische Blumen-Fotografie gehört nicht zu meinen Leidenschaften – aber sonst alles. Gibt es eigentlich einen roten Faden, der sich durch all Ihre fotografischen Arbeiten zieht? Dennis Orel: Bei uns steht eigentlich immer die Idee im Vordergrund, welche letztendlich das Motiv trägt und gut werden lässt. Eine rein ästhetische Ebene, die im Dekorativen verbleibt, versuchen wir zu vermeiden. Wo würden Sie als Fotografen gerne einmal ausstellen? Dennis Orel: Überall dort, wo man neuen Ideen an der weißen Wand den Vortritt lässt – zum Beispiel in der National Portrait Gallery London oder bei C/O Berlin. Träumen Sie von einem Wunschmotiv, das Sie gerne einmal ablichten würden? Einen bestimmten Menschen, ein Szenario oder eine Landschaft? Oliver Kröning: Unsere kommenden Foto-Projekte tragen eigentlich immer diese Wunschmotive schon in sich. Und an welchem Projekt arbeiten Sie gerade? Dennis Orel: Gerade arbeiten wir daran, die deutsche Erotik-Szene mal so richtig auszuleuchten. Sammeln Sie eigentlich selbst Fotografien? Dennis Orel: Bei mir sind die Wände ganz weiß. Ich sammle die Bilder nur im Kopf. Wenn Sie sich aussuchen könnten, was Sie wollten: Welche Fotografie oder welches Kunstwerk würde an Ihrer Wand hängen? Dennis Orel: Ich würde mir den Diamanten-Schädel von Damien Hirst auf den Nachttisch stellen. Oliver Kröning: Es ist schwierig ein Motiv zu finden, welches man über einen langen Zeitraum anschauen will. Aber die "Mona Lisa" fände ich gut. Immer angelächelt zu werden, wenn man nach Hause kommt, finde ich einen guten Ansatz, um lange mit einem Motiv leben zu können. "Keep on Smiling"!