Studiobesuch bei Werner Kranwetvogel

Von Fabian Peters - So, 13.07.2014 - 15:53

Manche Menschen scheitern bereits an dem Gedanken, einen steinigen und ungewissen Weg beschreiten zu müssen. Für andere ist es eine Herausforderung, die das eigene Leben spannender und reicher macht. Werner Kranwetvogel gehört zu der zweiten Kategorie. Zum ersten Mal kommt Werner Kranwetvogel als Kind mit einer Kamera in Berührung. Mit einer geschenkten Agfa Pocket lichtet er als damals 12-jähriger in akribischer Kleinstarbeit sein Heimatdorf ab. Einige Jahre später hält er bereits seine erste Spiegelreflex, eine Nikon FM2 mit Winder und einem 50mm-Objektiv, in den Händen, mit der er zahlreiche Fotoserien von absurd-dadaistischen Inszenierungen seiner Brüder schießt. Dann endet jedoch fürs Erste seine Beziehung mit der Kamera und muss über einem Jahrzehnt anderen Interessen weichen

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LUMAS Galerie Berlin – Hackesche Höfe: (c) Anthony Lew Shun

Das Visuelle, die Abbildung von inneren und äußeren Welten stand jedoch immer im Fokus seines Lebens und vor allem seiner Leidenschaft. Als Studiobeleuchter beim Bayrischen Rundfunk merkt Kranwetvogel, wie sehr ihn das Thema Film packt und ihn nicht mehr los lässt. An der Filmhochschule in München bewirbt er sich kurze Zeit darauf für den Studiengang "Dokumentarfilm". Aufgabenstellung ist eine freie fotografische Arbeit: Kranwetvogel porträtiert dafür Kristina Söderbaum, einen der großen UFA-Stars der 30er und 40er Jahre. Er kommt zwar in die Endrunde aber sein Wissen über das Fachgebiet reicht damals noch nicht aus – er wird abgelehnt. Was für die meisten Bewerber eine herbe Niederlage ist, empfindet der Münchner ganz anders: "Diese Niederlage war bitter, aber ich nahm sie als Ansporn und bewarb mich bei diversen Produktionsfirmen als Beleuchter." Und sein hartnäckiger Einsatz lohnt sich. Zwei Jahre später bewirbt er sich erneut bei der Filmhochschule – und kann im September 1994 endlich sein Studium aufnehmen. Diese Zeit sieht der heutige Fotograf als extrem wichtig und lehrreich an, da ihm dort ein immenses Wissen über Kameras, Kopierwerke, über Filmmaterial, Licht und Brennweiten vermittelt werden und er sich auch im praktischen Bereich seinen eigenen Stil erarbeiten kann. Trotzdem fotografiert er in dieser Zeit so gut wie nie. Der Film scheint Kranwetvogel vollkommen aufzusaugen und zu vereinnahmen. Nach einigen preisgekrönten Kurzfilmen arbeitet der Regisseur ab 1998 in der Werbebranche. Erst mit seinem Umzug nach Berlin entdeckt er seine alte Kamera wieder und durch den Sucher der Kamera auch die neue Stadt. Kranwetvogels monatlich erscheinende "Nachrichten aus der Hauptstadt" dokumentieren die daraus entstehende Bilderflut und verdeutlichen die Faszination, die er wieder durch dieses Medium erlebt. Die erste Reise nach Nordkorea im Jahr 2005 ist der endgültige Dammbruch – "Die Fotografie hat mich wiedergefunden", sagt er selbst über dieses bedeutsame Erlebnis. Seine wunderbaren Arbeiten der Serie "Massgames" werden schließlich in einem Bildband im Nicolai-Verlag veröffentlicht und auch ins Portfolio der Editionsgalerie LUMAS aufgenommen. Werner Kranwetvogel könnte also zufrieden sein – mit seinem Werdegang, seiner fotografischen Karriere und dem, was er erreicht hat. Aber vielleicht ist ihm dieses "Ausruhen" auch einfach schlichtweg zu langweilig. Der Fotograf arbeitet bereits an neuen Ideen und Serien. Seit einiger Zeit lichtet Kranwetvogel Touristen im Moment des Fotografierens ab. "Die Beschäftigung der Menschen mit diesem technischen Gerät fasziniert mich und der Aspekt der Persönlichkeit, der sich ungewollt im jeweiligen Umgang mit der Kamera offenbart." Auf der anderen Seite hat das Projekt auch einen kulturkritischen Aspekt, weil die meisten Menschen durch die massenhafte Verbreitung von einfach zu bedienenden Kameras das Sehen verlernt haben. "Sie stehen vor Michelangelos "Pietà", machen ein Foto und schauen sich dann das Foto der "Pietà" auf dem Display ihrer Kamera an", erzählt Kranwetvogel, "aber niemand nimmt sich die Zeit, dieses Weltkunstwerk einmal tatsächlich anzuschauen, dabei steht es ja unmittelbar vor ihnen." Aktuell arbeitet Kranwetvogel in beiden Welten, im Film und in der Fotografie, die sich für ihn auf wunderbare Weise gegenseitig ergänzen und befruchten. Der "steinige Weg" ist für ihn noch längst nicht zu Ende gegangen. Es wird spannend sein, zu erleben, wo er hinführen wird.

Interview mit Werner Kranwetvogel

Mit Ihrer Serie "Mass Games Pyongyang", einer beeindruckenden Werkreihe von Aufnahmen eines koreanischen Massenspektakels, sind Sie im LUMAS Portfolio vertreten. Was genau sind die "Mass Games Pyongyang"? Massgames sind gigantische Massentanz- und Gymnastikshows, in denen sich tausende von Teilnehmern synchron bewegen und dadurch riesige Muster und Ornamente bilden. Ihre Ursprünge liegen in der deutschen Turner-Bewegung des als "Turnvater" bekannt gewordenen Lehrers und Nationalisten Friedrich Ludwig Jahn.Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Idee des öffentlichen Massenturnens von diversen sozialistischen Staaten wiederentdeckt und erneut politisch aufgeladen. Massgames wurden hier zu perfekten Inszenierungen des Sozialismus. Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il formulierte diese Idee in einem Essay über die "Massengymnastik" so: "In dem Bewusstsein, dass der kleinste Fehler ihrer Aktionen die gesamte Aufführung stören kann, unternehmen die Schulkinder jede Anstrengung, um all ihre Gedanken und Handlungen dem Kollektiv unterzuordnen."

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Inzwischen finden diese Spiele nur noch in Nordkorea statt oder? Ja, heute ist Nordkorea nicht nur der einzige Staat in dem diese Spektakel überhaupt noch aufgeführt werden, hier werden sie auch zu einer Größe gebracht, die alles, was jemals im Ostblock gezeigt wurde, weit in den Schatten stellt. Die aktuelle Show "Arirang" umfasst über 100.000 Teilnehmer, davon alleine 20.000 Kinder, die mit riesigen Büchern ein gewaltiges "menschliches Display" bilden, was auch auf den Fotos für LUMAS zu sehen ist – die definitiv größte Show der Welt. Wann haben Sie zum ersten Mal diese Akrobatikshow besucht? In meiner Zeit auf der Münchner Filmhochschule in den 90er Jahren habe ich zum ersten Mal ein Foto einer solchen Show gesehen und es hat mich sofort in den Bann geschlagen. Doch damals bin ich fest davon ausgegangen, dass man nicht nach Nordkorea reisen und sich das selbst ansehen kann, und schon gar nicht, es zu fotografieren. Erst 10 Jahre später bin ich gemeinsam mit einem guten Freund von mir auf Koryo Tours in Peking gestoßen, die Reisen nach Nordkorea anbieten. Mit einer solchen Reisegruppe war ich 2005 zum ersten Mal im Stadion in Pjöngjang und hatte als einer von sehr wenigen Touristen aus dem Westen die Möglichkeit, die Show selbst zu erleben. Diese Fotos waren mit einer kleinen Spiegelreflex von einem einfachen Zuschauerplatz aus geschossen und seit diesem Moment hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen, mit professionellem Equipment und einer Fotogenehmigung ganz nach vorne an den Spielfeldrand zu gehen und Fotos zu machen, die der Energie der Show wirklich gerecht werden. 2009 ist mir das endlich gelungen. Warum zieht es Sie immer wieder in den asiatischen Raum? Als Fotograf suche ich immer den "ungewohnten ersten Blick". Ich versuche, mich selbst zu überraschen, einen frischen und unverstellten Blick auf die Dinge zu bekommen, die ich fotografiere. Der permanente Kulturschock, den man erlebt, wenn man als Europäer in Asien unterwegs ist, erzeugt genau diese Energie und diese Wachheit mit jedem Schritt. Die Bilder, die wir von Asien gelernt haben werden plötzlich überlagert von einer wesentlich lebendigeren und vielfältigeren Wirklichkeit, einer regelrechten "Explosion des Lebens". Das ist es, was mich an Asien immer wieder fasziniert.

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Gerade Nordkorea ist aber nicht ganz ungefährlich, oder? Reisen nach Nordkorea sind keineswegs gefährlich, sondern – zumindest im Rahmen dessen, was man als Tourist machen kann – überraschend einfach. Die einzige Möglichkeit, dorthin zu reisen, ist eine geführte Reisegruppe, die den Touristen innerhalb einer streng abgezirkelten "Touristenwelt" hält. Es gibt keine Möglichkeit, diese Welt zu verlassen und schon gar keinen Individualtourismus. Solange man sich an den Regelkatalog hält, ist man absolut sicher und wer damit nicht klarkommt, sollte besser von einer solchen Reise absehen. 2009 gelang es Ihnen sogar als einziger westlicher Gast der gigantischen Show "Arirang" eine Sondergenehmigung für Nahaufnahmen zu bekommen. Wie schwierig war das ganze Prozedere? Diese Genehmigung zu bekommen hat mich fast ein Jahr lang Zeit gekostet. Monatelang musste ich mir anhören, dass das auf keinen Fall gehe, nicht zuletzt, weil Journalisten üblicherweise Einreiseverbot in Nordkorea haben. Es gibt kein professionell organisiertes Locationbüro wie z.B. in Berlin, und alle meine Versuche, einen Ansprechpartner zu finden, sind über Monate hinweg ins Leere gelaufen. Es ist Nick Bonner von Koryo Tours zu verdanken, dass ein Kontakt mit den Organisatoren der Massgames zustande kam, über die ich letztendlich die Fotogenehmigung bekam. Es war viel Mühe und Überzeugungsarbeit nötig, um das zu erreichen und ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen. An dieser Stelle also noch einmal Dank an ihn und sein Team. Mussten Sie nach der Veranstaltung, alle geschossenen Bilder vorzeigen? Ich war als sogenannter "Individualtourist" im Land, was bedeutet, dass man "alleine" mit zwei Reiseführern und einem Fahrer in einem Minibus unterwegs ist. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Guides und sie wussten, was ich vorhabe und waren natürlich auch im Stadion dabei. Insofern gab es für sie keine Notwendigkeit, die Fotos zu kontrollieren. Im Gegenteil ist die Show natürlich etwas, auf das die Nordkoreaner sehr stolz sind und sie waren sehr neugierig, wie die Fotos aussehen werden und endgültig überzeugt von der einmaligen Qualität des Projektes, als ich ihnen nach einer kurzen Unterbrechung erste Prints aus Deutschland mitbringen konnte. Fotos außerhalb des eigentlichen Spielfeldes sind aber nicht gerne gesehen. Wenn man anfängt, das Publikum, die Organisation oder die Vorbereitungen vor dem Auftritt zu fotografieren, handelt man sich schnell großen Ärger ein, wenn man hier zu unbedacht vorgeht. Trotzdem plane ich seit langem ein Projekt "Massgames backstage" und hoffe sehr, dass das nächstes Jahr realisiert werden kann. Auf welche Fotografien aus dieser Serie sind Sie besonders stolz? Mein Ansatz des Projektes war, den Menschen in der Masse zu suchen, die gut organisierte Phalanx der Perfektion zu durchbrechen und das Individuum zu finden. Es gibt ja unendlich viele Fotos der Show, jeder Tourist, der dort ist, fotografiert wie wild. Aber zumeist sieht man nur die – zugegeben extrem beeindruckenden – Totalen mit tausenden von Tänzern. Ich versuche, den Blick hinter diese Totalen zu werfen, kleine Gruppen zu isolieren, den Menschen zu zeigen als kleinste Einheit der Show. Erst durch die extremen Teleobjektive wird diese Bruchstelle sichtbar. Aus der Serie der Tänzer-Fotos gibt es einige, die diese zwei Ebenen auch aufweisen, das Muster und den Menschen darin. Diese Elemente herausarbeiten zu können aus einer Show mit 100.000 Teilnehmern macht mich schon ein wenig stolz. In der LUMAS Serie gibt es ein Bild, das die Kinder zeigt, wie sie sich gerade auf die Show vorbereiten, einfach Kinder sind und nicht funktionierender Teil einer Show. Im Stadion wirkte das Foto noch relativ belanglos. Erst in der extremen Vergrößerung entfaltet sich die Wirkung und verkörpert perfekt die Idee des Projektes (Massgames Pyongyang #01).

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Wie war das Feedback, das Sie auf die Werkreihe "Mass Games Pyongyang" bekamen? Gab es auch kritische Aussagen? Das Feedback auf die Fotos ist überwiegend sehr positiv. Die Faszination, die mich dazu getrieben hat, die Serie zu schießen, speist sich aus der Perfektion und der schieren Gigantomanie dieser so ästhetischen wie bizarren Propagandaveranstaltung. All diese Elemente wirken zusammen und machen den einmaligen Reiz der Show aus. Meine Fotoserie durchbricht nun die fast bedrohlich wirkenden menschlichen Muster der Show und wagt den Blick dahinter, auf den Menschen im Muster. Die meisten Betrachter lassen sich ein auf den Reiz, der davon ausgeht. Die kritischen Töne zu dieser Arbeit kommen naturgemäß immer aus dem politischen Kontext der Show und gehen entweder in die Richtung "Wie kann man so etwas machen", bzw. werfen mir eine Verniedlichung der ganzen Veranstaltung vor. Mein Thema ist aber nicht die politische Analyse der Massgames als Propagandaveranstaltung, sondern ihre Ästhetik und der Mensch in diesem sehr speziellen ästhetischen Kontext. Der politische Aspekt schwingt über diesen Kontext natürlich immer mit, steht aber nicht im Vordergrund meiner Arbeit. Mit welcher Kamera und welchem Equipment arbeiten Sie? Ich habe immer schon mit Nikon fotografiert und bin dem auch bis heute treu geblieben. Für die Serie "Massgames" habe ich mit einer Nikon D3x und einer D700 gearbeitet. Als wichtigste Optik hatte ich ein Nikkor 200-400 / f4, sowie ein 70-200 / f2,8 (jeweils alte Serie), dazu einen Satz Telekonverter für noch längere Brennweiten. Denn erst mit diesen extremen Brennweiten war es mir möglich, die gewaltigen Distanzen auf dem Spielfeld überbrücken und so nah an die Menschen herankommen, wie ich es vorhatte. Für mich fühlt sich eine Nikon einfach robuster an, man hat den Eindruck mit einer Kamera zu arbeiten, die alles aushält, mit der man zur Not einen Nagel in die Wand schlagen kann, wenn es die Situation erfordert. Diese Robustheit suche ich. Im Übrigen liebe ich das Fotografieren als unbeobachteter Beobachter. Die dazu nötigen langen Brennweiten habe ich aber nur im Kleinbild.

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Fotografieren Sie auch noch analog oder inzwischen nur noch digital? Meine dokumentarischen Fotoprojekte erfordern eine sofortige Kontrolle des Bildes. Das ist aber nur von der digitalen Fotografie zu leisten. Ich kann nicht mit einer analogen Kamera nach Nordkorea fahren und erst hinterher feststellen, dass ich technische Probleme hatte. Das muss ich sofort wissen, um es vor Ort abstellen zu können. Ich liebe die analoge Fotografie, sie kommt aber bei mir im Moment so gut wie nicht mehr vor. Für das endgültige Ergebnis und die Wirkung Ihrer Fotografien ist auch das Fachlabor von großer Bedeutung. Welchen Qualitätsstandard wollen Sie sehen? Das Labor ist von allergrößter Bedeutung, da es das Ergebnis herstellt, das der Betrachter am Ende auch sieht. Der technische Aufwand in der Herstellung und der Nachbearbeitung der Fotos ist dahin, wenn das letzte Glied in der Kette nur schwache Resultate liefert, die ganze Kette muss aufeinander abgestimmt sein. Ich brauche also ein Labor, das verlässlich die höchste Qualität liefert. Ich muss mich darauf verlassen können, dass die Prints genau so aussehen, wie ich es mir vorgestellt habe und sie sollten immer gleich aussehen. Die Zusammenarbeit zwischen Fotografen und Foto-Labor muss stimmen. Kunst trifft auf Handwerk. Kann es da zu Konflikten kommen? Die Zusammenarbeit von Künstlern und Dienstleistern birgt immer Konflikte. Künstler versuchen ihre Vision zum Leben zu erwecken, der Dienstleister versucht, eine technisch perfekte Arbeit abzuliefern. An dieser Nahtstelle gibt es naturgemäß Friktionen und es setzt eine gute Kommunikation und ein profundes technisches Wissen auf beiden Seiten voraus, diese Zusammenarbeit produktiv zu gestalten und nicht enervierend. Ich halte nur wenig vom Künstler als großen Visionär, der sich um technische Parameter nichts schert. Der künstlerische Prozess hat immer auch einen technischen Rahmen, innerhalb dessen er stattfindet. Es ist die Aufgabe des Künstlers, diesen Rahmen immer wieder zu erweitern und zu durchbrechen. Ihn jedoch schlichtweg zu ignorieren ist nicht Kunst, sondern Dilettantismus. Um das aber möglich zu machen, braucht man als Fotograf ein Labor, mit dem man gut kommunizieren kann, das versteht, was man vorhat und einem die Möglichkeiten bietet, die man sucht. Es freut uns umso mehr, dass Sie mit WhiteWall dieses Labor gefunden haben. WhiteWall liefert die Qualität, die ich suche, auch und vor allem in den großen Formaten und das Ganze zu Preisen, die wirklich unschlagbar sind. Der Umstand, dass das Labor alle Prints und Kaschierungen für LUMAS herstellt, spricht natürlich für sich. Es ist eben keine anonyme Internetplattform, bei der man nicht weiß, wer dahinter steht, sondern ein professionelles Fachlabor. Auch der Kontakt zur Beratung hat mich von Anfang an sehr überzeugt. Interessant für mich ist zudem die Möglichkeit, die Werke sehr einfach in andere Städte liefern zu lassen, auch ins Ausland. Das macht den Verkauf vor allem großformatiger Kaschierungen überhaupt erst möglich.

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Welche Präsentationsform gefällt Ihnen persönlich am Besten? Wie wünschen Sie sich Ihre Arbeiten an der Wand? Ich liebe für die Massgames-Serie die Sandwich-Kaschierung mit einem AluDibond-Träger und einer Acrylglas Front. Bei WhiteWall heißt das "Echter Foto-Abzug unter Acrylglas". Durch die Glas-Front wirkt das Foto tiefer, die Farben noch lebendiger und es sieht extrem edel aus. Meine Fotos sind Ausschnitte aus viel größeren Szenen und keine in sich abgeschlossenen Inszenierungen. Insofern würde ein Rahmen das Foto zu sehr einsperren. Durch die Acrylglasversiegelung können die Bilder über den Rand hinaus wirken. Sie arbeiten als Werbe- und Kurzfilmregisseur. Wie empfinden Sie den Unterschied zur Fotografie? Ich bin nach wie vor hauptberuflich Regisseur, entwickle jedoch gerade ein zweites künstlerisches Standbein in der Fotografie. Das Schreiben und Inszenieren von Geschichten zählt aber nach wie vor zu meiner wichtigsten Arbeit. Doch Filmemachen ist natürlich mit erheblichem technischem und logistischem Aufwand verbunden, erfordert lange Vorbereitung und komplizierte Abstimmungsprozesse. Der Umstand, dass ich als Fotograf mit einer guten Idee und "kleinem Marschgepäck" losziehen kann um ein Projekt umzusetzen, ist einer der Aspekte, die ich an der Fotografie wirklich liebe. Deshalb mag ich auch das dokumentarische Fotografieren so gerne. Ich brauche kein künstliches Licht und kein großes Equipment, wie im Film, sondern nur eine Idee und ein gutes Auge. Ein Mann und eine Kamera. Das hat etwas wundervoll Befreiendes. Wie lange dauert es von der Idee in Ihrem Kopf bis zur tatsächlichen Realisierung eines Bildes? Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal geht es sehr schnell, die erste Idee ist da, der Aufwand ist klein und das Foto wird perfekt. Sehr oft gerate ich aber an Projekte, die entweder sehr viel Vorbereitung erfordern oder bei denen ich über einen langen Zeitraum Fotos zum gleichen Thema sammle. Im Fall der Serie über die nordkoreanischen Massgames hat es von der Idee bis zur Realisierung vier Jahre gedauert. Es erfordert einen langen Atem, so lange an ein Projekt zu glauben. Kann es passieren, dass Ihnen ein Motiv beim Blick durch die Kameralinse gefällt und später als Foto-Abzug völlig den Reiz verliert? Der Blick des Fotografen durch die Kameralinse ist ja kein neutraler Blick eines unabhängigen Beobachters, sondern der subjektive Blick eines Menschen auf ein Motiv. Und dieser Mensch wird natürlich auch beeinflusst von der Umgebung, in der er sich befindet und dem spezifischen Moment, in dem er das Foto macht. All das beeinflusst aber die Wahrnehmung. Insofern gibt es beim Betrachten der Fotos alle Überraschungen zu erleben, von der totalen Enttäuschung bis zur überschwänglichen Freude, etwas zu entdecken, das man beim Fotografieren überhaupt noch nicht gesehen hat. Erinnern Sie sich, wann Sie Ihr erstes Foto gemacht haben und was darauf zu sehen war? Meine erste Kamera war eine Agfa Pocket mit 16mm Kassettenfilm, die ich zur Firmung bekam. Mit ihr bin ich losgezogen und habe das Dorf fotografiert aus dem ich stamme, habe diese Welt mit recht sachlichen Fotos dokumentiert. Meine erste Spiegelreflex hat es mir dann erlaubt, mehr in diese Welt hineinzukriechen und die Dinge hinter den Dingen zu entdecken.

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Warum haben Sie sich für das Fotografieren als Ausdrucksform entschieden? Wann entdeckten Sie Ihre Leidenschaft? In dem Film "Journey to the far side of the sun" von 1969 gibt es eine Szene, in der ein Mann mit einer Kamera im Auge Spionagefotos macht, die er mit keiner Kamera der Welt machen könnte. Als kleiner Junge habe ich diese Szene zum ersten Mal gesehen und die Idee dahinter hat mich nie wieder losgelassen. Während meines Studiums bin ich aber jahrelang so sehr in die Filmwelt eingetaucht dass ich überhaupt nicht fotografiert habe. Erst als mir nach dem Umzug nach Berlin meine Kamera wieder in die Hände gefallen ist und ich mit ihr losgezogen bin und diese Stadt fotografierend entdecken konnte, habe ich zurückgefunden zu diesem wundervollen Ausdrucksmittel. Für mich ist das aber keine Entscheidung ob ich nun Filmemacher bin oder Fotograf. Beide Bereiche ergänzen und inspirieren sich gegenseitig auf wunderbare Art und Weise. Haben Sie ein persönliches Vorbild, wenn es ums Fotografieren geht? Richard Avedons Serie "In the American West" halte ich nach wie vor für eine der besten Fotoserien, die jemals gemacht wurden. Ich mag aber auch den Blick von Jabob Holdt oder Larry Clark. Welche Ihrer persönlichen Fähigkeiten nutzt Ihnen beim Fotografieren am meisten? Die Neugier. Was muss man als Fotograf unbedingt können? Die Technik beherrschen, so dass man nicht groß nachdenken muss beim Auslösen. Einen Blick für gutes Licht haben und schnell sein, wenn es da ist.

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Geht es hauptsächlich um Talent oder ist die Fotografie ein Handwerk, das man erlernen kann? Talent ist natürlich wichtig, aber es muss unterstützt und gefördert werden durch eine fundierte Ausbildung. Erst mit der Beherrschung des Handwerks kann sich die Kunst entfalten. Der Begriff "Kunst" stammt nicht zufällig ab von "Können". Entsteht ein besonders gutes Bild eher zufällig oder muss jedes Bild sorgfältig vorbereitet sein? Ich mag es, wenn ich mir ausgehend von einer klaren Idee einen konzeptionellen Rahmen aufbauen kann. Dieser Rahmen bringt mich dazu, mich mit der Idee auseinanderzusetzen und ich so das Thema im Prozess der Arbeit weiter vertiefen kann. Für mich bedeutet dieses thematische Arbeiten eher Befreiung, als Beschränkung, weil es meinen Blick für das Wesentliche schärft. Sind die so genannten "Lucky Shots", die nur aus Zufall entstehen aber fantastisch aussehen, ein fotografischer Mythos oder gibt es das wirklich? Es gibt bekanntlich keine Zufälle, insofern auch keine zufällig entstandenen Fotos. "Lucky Shots" entstehen durch viel Training und enorme Routine. Nur wenn man nicht mehr über das Handwerk nachdenken muss, ist man "lucky" und schnell genug im richtigen Moment. Welche Motive interessieren Sie überhaupt nicht? Ich interessiere mich für Menschen, für Licht und das Absurde. Insofern ist die neutrale Katalogfotografie ein Feld, das mich eher nicht so interessiert. Gibt es eigentlich einen roten Faden, der sich durch all Ihre fotografischen Arbeiten zieht? Was ist "Typisch Kranwetvogel"? Der besondere Blick auf Dinge, die jeder zu kennen glaubt. Der genaue und scharfe Blick hinter die Fassade, hinter die Kulissen. Wo würden Sie als Fotograf gerne einmal ausstellen? Im Haus der Kunst in München. Gigantischer Raum. Träumen Sie von einem Wunschmotiv, das Sie gerne einmal ablichten würden? Einen bestimmten Menschen, ein Szenario oder eine Landschaft? Ich würde wahnsinnig gerne einmal eine Serie über weinende Männer machen. Doch bisher habe ich noch nicht herausgefunden, wie ich das realisieren kann. Sammeln Sie eigentlich selbst Fotografien? Wenn ich größere Wandflächen hätte, sicher gerne. So aber sammle ich lieber gute Ideen. Wenn Sie sich aussuchen könnten, was Sie wollten: Welche Fotografie oder welches Kunstwerk würde an Ihrer Wand hängen? Raffaels "Madonna Tempi" aus der Alten Pinakothek in München und daneben ein Nagelbild Günther Ueckers.